Edition Combes-Autor Simon Kossov

05.05.2015 11:35  Von:: Frank de la Porte

HARTE WORTE, ALLTÄGLICHER WAHNSINN UND DIE EWIGE SUCHE NACH LIEBE:
Ein Interview mit Edition Combes-Autor Simon Kossov.

EDITION COMBES:
Simon, im Sommer erscheint bei Edition Combes erstmals ein Buch von Ihnen.

SIMON KOSSOV:
Normalerweise nennen mich die Leute Koss. Ich mag meinen Vornamen nicht sonderlich.

EDITION COMBES:
Okay, also Koss. Was ist das für ein Gefühl, wenn das erste Buch bald veröffentlicht wird?

SIMON KOSSOV:
Es ist nicht mein erstes Buch, aber das erste in deutscher Sprache. Die Vorgänger sind in Englisch und Französisch.

EDITION COMBES:
Sie sind Kanadier; woher haben Sie Ihre ausgezeichneten Kenntnisse der deutschen Sprache?

SIMON KOSSOV:
Mein Vater war im diplomatischen Dienst. Deshalb zogen meine Eltern berufsbedingt nach Deutschland – genauer gesagt nach Berlin – als ich 15 war. Da musste ich natürlich mit, und so habe ich Deutsch gelernt. Inzwischen bin ich zwar ziemlich weit in der Welt herumgekommen, aber ich kehre immer wieder nach Deutschland zurück. Mir gefällt's hier.

EDITION COMBES:
Der Arbeitstitel Ihres Buchs ist "Herzdschungel". Was bedeutet das?

SIMON KOSSOV:
Der Titel wird möglicherweise noch geändert, aber "Herzdschungel" gefällt mir schon ganz gut. Die Figuren im Roman sind - auch wenn es nicht den Anschein hat – ganz normale Menschen, die in dieser aktuellen Welt leben, und Sie müssen sich nur umschauen um zu sehen, dass diese Welt total irre ist und alles immer wahnsinniger wird. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Charaktere der Handlung.

EDITION COMBES:
Dieses Grundthema "Wahnsinn" zieht sich durch die ganze Story …

SIMON KOSSOV:
Weil es eine Tatsache ist, die man nicht schönreden kann. Aber die Menschen im Buch sind alle auf der Suche nach Liebe; jeder auf seine Weise. Die meisten suchen sie eben im Bett und im Körper von anderen, und bei Sexspielen, die teilweise ganz schön wahnsinnig sind … Da ist er wieder, der Wahnsinn!

EDITION COMBES:
Wie kommen Sie auf die Geschichten, die Sie schreiben? Wie entwerfen Sie die Figuren?

SIMON KOSSOV:
Ganz einfach. Wenn ich in der Stimmung zum Schreiben bin, mache ich eine Flasche Whisky oder einen guten Wein auf, setze mich an die Tastatur, krame in meinen Erinnerungen und haue alles in die Tasten. Das kann nächtelang so gehen, denn nachts schreibe ich am besten. Mein Verbrauch an Tastaturen ist ziemlich hoch, denn ich hämmere förmlich darauf ein.

EDITION COMBES:
Das heißt, die Charaktere Ihres Buches sind reale Personen? Deshalb heißt der Ich-Erzähler auch "Koss"?

SIMON KOSSOV:
Genau. All diese Menschen gibt es wirklich. Natürlich habe ich ihnen andere Namen gegeben und sie ein bisschen verfremdet, damit sie nicht auf Anhieb wiederzuerkennen sind. Nicole, Linda, Claire, Arthur … Ja, die gibt's, und Nicole wird verdammt sauer sein, wenn sie sich wiedererkennen sollte, Arthur wird mich vermöbeln wollen und Claire wird's irgendwie süß finden.

EDITION COMBES:
Einige der Personen sind allerdings sehr bizarre und skurrile Figuren. Ich nehme an, Sie haben sie bewusst etwas überzeichnet?

SIMON KOSSOV:
Nein, in Wirklichkeit sind sie alle noch sehr viel sonderbarer.

EDITION COMBES:
Bedeutet das, dass Sie all das Geschriebene auch wirklich erlebt haben?

SIMON KOSSOV:
Ja, fast alles davon ist autobiographisch. Natürlich ebenfalls verfremdet, und vor allem literarisch lesbar geschrieben. Ich habe mein bisheriges Leben nicht in der behaglichen Komfortzone oder in einem klimatisierten Büro verbracht, sondern da draußen.

EDITION COMBES:
Die Sprache Ihres Buches in manchmal irritierend. Kurze, abgehackte Sätze, Kraftausdrücke …

SIMON KOSSOV:
Verdammt, muss so sein! Geht nicht immer auf die Feine. Manchmal muss man den Leuten den Kram um die Ohren schlagen. Schnell und laut und hart. Ich sage lieber "ficken" statt "kopulieren".
Sehen Sie, ich kann sofort auf diese Sprache umsteigen. Sie lässt sich schnell lesen und lässt dem Leser keine Chance, sich zu entziehen. Genau das will ich. Das Leben ist verrückt und irre, und das lässt sich nicht schönen Worten und feinen Formulierungen ausdrücken.

EDITION COMBES:
Einiges davon ist recht hart.

SIMON KOSSOV:
Ich bin nicht so der Kuscheltyp.

EDITION COMBES:
Wie kamen Sie zum Schreiben?

SIMON KOSSOV:
Schon ziemlich früh. Bei uns zuhause wurde immer gelesen, und meine Eltern haben mich mit ihrer Lesegeilheit quasi infiziert. Von da war's nur ein kleiner Schritt zur Lust am Schreiben.

EDITION COMBES:
Wie sind Sie zu Edition Combes gekommen?

SIMON KOSSOV:
Auf einer Party habe ich Eric Hallissey kennengelernt, der ja auch bei Edition Combes veröffentlicht. Er ist Ire, ich bin Kanadier, und das verbindet. Wir haben uns angefreundet, er hat mein Zeug gelesen und fand's klasse. Deshalb hat er den Kontakt zum Verlag hergestellt.

EDITION COMBES:
Wie geht es nach diesem Buch weiter?

SIMON KOSSOV:
Zeitreise rückwärts. Während "Herzdschungel" etwa um 2005 bis 2007 in London spielt, gehe ich in meinem nächsten Buch zurück in ganz frühen 80-er Jahre. Damals lebte ich in Berlin und war – sehr zum Leidwesen meiner Eltern – in der Punk-Szene aktiv. Aus dieser Zeit gibt es auch ein paar geile und spannende Sachen zu erzählen.


1 Kommentare

bin gespannt

klingt ja schonmal klasse. sehr vielversprechend. bin sehr gespannt aufs buch. der mann scheint ziemlich durchblick zu haben im leben

sina seraphina - 9. Mai 2015

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